Haus der Wirtschaft - Stuttgart

HOLDE KLIS
„Inbetween - Zwischen Realität und Fiktion“
Einführung am 11.09.2019
Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A.

Mal ehrlich, wer von uns beschäftigte freiwillig einen Fotografen, der uns so abbildet, wie wir sind. Also ich kann ja von hier aus nicht wirklich alle sehen, aber so auf einen ersten Blick…
... ein guter Fotograf mit intelligenter Lichtregie hätte hier ganz schön was zu tun.

In der Kunst ist das nicht viel anders und deshalb fragen wir uns heute, ob Giovanna Tournabuoni wirklich so schön gewesen ist, wie sie Domenico Ghirlandaio darstellt. Wir wünschen es ihr auf jeden Fall: auch noch posthum.
Das nehmen wir auch gleich als Gelegenheit: uns bei all jenen großartigen Künstlern zu bedanken, die das Körperschöne abbildenswert fanden bis hin zu Modigliani und heute Bunsen. Auch die Darsteller amöner Landschaften, herrlicher Blumenstücke etc. pp. wollen wir nicht vergessen.
Interessant war natürlich aber auch immer das Hässliche in der Kunst mit bester Tradition seit Hans Baldung Grien bis hin zu Beckmann, Dix, Grosz und Horst Janssen. Für ihre Darstellungen gab es leider auch stets gute Gründe. Holde Klis steht fraglos auf der Seite des Kunstschönen. Ihr könnten wir uns als Porträtistin auf jeden Fall zuversichtlich anvertrauen. Das zeigen gute Beispiele dieser Werkschau.

Nehmen wir als Beispiel ein Werk von ihr, das Sie alle kennen, denn Sie haben ja eine Einladung erhalten, auf der das Bild „Shop NOW“ wiedergegeben ist. Vor einer Streifentapete zwei weibliche Wesen - vermutlich Mutter und Tochter. Sie sind schwarz gewandet, denn Schwarz ist immer modisch und macht schlank. Ob sie letzteres nötig haben: darüber gibt die Darstellung nicht wirklich Auskunft, lässt aber positive Vermutungen zu. Beide probieren Sonnenbrillen, an denen noch das Preisetikett hängt und posieren in Umarmung und für einen Fotografen, der sich in der Mutterbrille spiegelt. Die Kombination aus plakativer Innigkeit und Selbstwertbewusstsein ist überzeugend. Eine Alltagsszenerie: als ob Guido Maria Kretschmer nach einer neuen Shopping Queen suchte. Total belanglos: eben genau wie seine sympathische Fernsehshow, die nicht zuletzt davon lebt, dass ein Zufallsbetrachter wie ich darüber nachdenkt: wieviel Oberfläche denn überhaupt und wie lange durchgehalten werden kann. Verblüffend lang! Wahnsinn! Und Holde Klis malt das und hebt es damit in den Status von Kunst! Was aber ist „Kunst“ an diesem Bild. Wenn wir diese Frage stellen, dann stellt das automatisch eine Differenz zwischen Abgebildetem und Abbild her, was nicht neu ist, weil ja das Neue nur ein Wert unter vielen ist und meist überschätzt wird.
Den Wert zum Beispiel eines „Guten“ oder gar „Perfekten“ schätze ich persönlich keineswegs geringer. Kunst am Werk ist beispielsweise die Herstellung eines illusionären und hier nachgerade fotorealistisch wirkenden Bildes. Dazu gehören u.a. die Lichtreflexe auf den Brillen, im Haar und Mütze und am Ärmel der Tochter.
Das Hintergrundsmuster vertritt die Uniformität der Warenwelt und absolut genial sind zwei kleine dreieckige Felder zwischen Mutter und Tochter: die Plastizität herstellen und - exzentrisch angelegt - Spannung schaffen. Wenn wir diese Anwendung malerischer Mittel betrachten, dann entfernen wir uns vom bloß Gegenständlichen und ergänzen das „Was“ um ein „Wie“. Das verweist uns auf den Unterschied zwischen Wirklichkeitsreflexion und künstlerischer Gestaltung. Wäre nur das „Was“ entscheidend, so wäre die Kunst eine bloße Dienstbarkeit: um das Wirkliche einzufangen. Natürlich kommen wir an dieser Stelle nicht um die Erinnerung an René Magritte herum, der in seinem berühmten Werk „Das ist keine Pfeife“ so feinsinnig den Unterschied zwischen Gegenstand und Abbild erarbeitet hat. Diese Differenz zu erinnern ist bei einer kritisch-analytischen Betrachtung der Arbeiten von Holde Klis fundamental.

Schauen wir uns ihre Bilderfindungen in ihrer Vielfalt und ihrem Herkommen nach einmal näher an. Eine breite Abteilung gilt dem Trivialen als Transportmittel für Inhalte, die darüber hinaus reichen. Hier eben begegnen wir u.a. ihren Macarons, einer höchst sommerlichen Stoffablage inclusive filigraner High Heels, auch einmal einem Ananas - Triptychon (sic!) und auch einem Turmbau zu Babel aus Kissen. Mit Reminiszenzen an eine Illusionsmalerei einerseits und an historische Bezüge andererseits stellt sich Holde Klis in ein Herkommen und betont damit Kontinuität in einer Periode voller Umbrüche: gewiss nicht nur in der Kunst! Kirchen und dann auch Schlossbauten erweiterten ihre Architekturen durch tiefenraumgerichtete Gestaltungen. Das eben begründete eine Tradition die sich bis in phantastische Realismen hinein fortgesetzt hat. Dieses Herkommen zitiert Klis mehr naturalistisch als realistisch orientiert. Die Aneignung der Wirklichkeit und ihre darauffolgende Transformation in ein Kunstwerk bleibt Bildzweck.

Eine andere Ebene historischer Erinnerung hat Klis durch Bildzitate gefunden. Wenn wir gerade ein Kissen-Bild bezeichnet haben als einen „Turmbau zu Babel“, so hat Klis damit eine Erinnerung geschaffen an die wohl bekannteste Darstellung von Pieter Breughel d.Ä.. Das entzückende „A perfect day for Carla“ ist natürlich eine Hommage an „Las Meninas von Velazquez“ und zum Glück hat sich die Abgebildete weit genug vom spanischen Hofzeremoniell entfernt. Natürlich ist alleine schon eine Gestaltung als Triptychon ein Zitat und erinnert an Retabeln und Mitteltafeln von Hochaltären. Verortungen können aber auch in der jüngeren Geschichte aufgesucht werden. Wir kennen den sog. „Monroe-Effekt“. Er bezeichnet einen starken Aufwind an Hochhausfassaden. Der Name stammt von einer bekannten Szene im Film „Das verflixte 7. Jahr“, in der Schauspielerin Marilyn Monroe über einem U-Bahn-Lüftungsgitter steht und ihr Rock hochgeweht wird.
Holde Klis „Lotti - Triptychon“ nimmt das Thema spielerisch auf und lässt es von einer süßen Göre über einem Schachtgitter übernehmen. Ein zauberhafter Einfall und doch auch eine Ambition, etwas der Vergessenheit zu entreißen: indem es in die Gegenwart transferiert wird. Ob es nun im Wasserbecken schwebende Kois sind oder ein animierendes Nudelgericht: die Kunst der Holde Klis wirkt stets gut gelaunt und das führt zu etwas ganz Entscheidenden, wenn wir ihr Werk betrachten. Genauso wie sich die PopArt über die Strenge konstruktivistischer Positionen hinweg setzt, genauso erlaubt sich Holde Klis das zu ignorieren, was unsere Gegenwart nicht etwa an kritischer Weltsicht, sondern an dumpfem Kritizismus und Skeptizismus massenhaft abliefert. Kein Tag ohne Belehrungen, kaum ein Tag ohne „bad news“, die ja kommerziell gedacht „good news“ sind und kein Tag ohne „Wie schrecklich ist alles!“ Die Kunst der Holde Klis hält da dagegen und wer wollte behaupten, dass das keine wichtige Position ist! Abdeckung eines gesellschaftlichen Desiderats einerseits , geschichtsbewusste Themen andererseits und schließlich eine hohe maltechnische Kompetenz bilden zusammen ein Ganzes, das wirksam ist. Kein Wunder, dass sich die Rezeption dieses Werkes explosionsartig entwickelt als ein persönliches „Wir schaffen das!“ - auch ohne Raute.


SPANNENDER DETAILISMUS
Die Stuttgarter Künstlerin Holde Klis

Nimm` dir eines von den Kissen. Die Sinnestäuschung ist nahezu perfekt, so als kämen Kissen, Segeltuch und Stoffdessins frisch aus dem Nähatelier. Lage, Schatten, Falten, Raffungen sind mit ihrer visuellen Körperlichkeit für einen magischen Augenblick täuschend echte Reflektionen zivilisatorischer Alltageserrungenschaften. Holde Klis hat werder Berührungsängste vor starken Farben noch Skrupel vor der Offenlegung der allerletzten Details. Ihre Protagonisten ergeben sich dem freudigen Schicksal, auf der Leinwand ein zweites, bunteres, vielschichtigeres Leben vortäuschen zu dürfen.
Ein unerhört spannender Realismus und Detailismus, bei dessen näherer Betrachtung selbst die letzten verbliebenen Ungläubigen erkennen und begreifen, dass Gott offensichtlich doch im Detail steckt. Wenn Faltenwürfe im göttlichen Licht ihre sinnlichen Formen zeigen und Macarons wie Chamäleons die Farbe wechseln, um wie verführerische Sirenen die Blicke anzuziehen, dann war Holde Klis am Werk. Wie und wo soll man es einordnen?
Als Stilvariante zwischen dem US-amerikanischen Colorfield Painting, der Pop Art Roy Lichtensteins oder dem großen deutschen Pop Artisten Werner Berges läge man nicht ganz falsch. Fragen wir am besten und ohne großes Eröffnungsredner-Pathos die Galeristen und Besucher ihrer zahlreichen Ausstellungen. Oder sie selbst. Ihrer großen Ausstellung 2018 bei der Stuttgarter Südwestbank AG gab sie jedenfalss den schönen Titel "Farbenfrohe Lustobjekte - oder was?".
Das sagt uns doch was. hjs

Artikel in: Gefildert - Magazin für den Grossraum Filder und Umgebung, Nr. 19, Frühjahr 2019, S. 38
Download Artikel


Südwestbank Stuttgart

HOLDE KLIS
Jenseits des Sichtbaren ein malerisches Werk
Einführung am 18. 04. 2018
Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A.

Propädeutik
Mit der Südwestbank habe ich offenkundig etwas gemeinsam. Wir gehen gerne mit den Menschen um, mit denen wir zu tun haben. Und da das Leben nicht nur aus geschäftlichen Bezügen besteht ist es wunderbar, sich auch einmal außerhalb des professionellen Umgangs zu begegnen. Vernissagen wie die heutige bieten dafür ein ausgezeichnetes Podium. Eine Binsenweisheit: Reichtum ist keineswegs nur Geldwert. Vielen Dank dafür, dass die Südwestbank unter ihrem Chef Dr. Wolfang Kuhn - und so liebenswürdig begleitet von Renate Kurz - hier seit Jahrzehnten außerordentliches leistet. Ein Beitrag zum Bruttonationalglück, das leider nur Teil der Verfassung Bhutan war, bei uns aber fehlt,. Es ist ja auch wichtiger geldwerte Leistungen zu besteuern. Big Brother is wachteng you: everywhere. oder wie es meine Steuerberaterin so trefflich formuliert hat: „Gib dem Staate, was des Staates ist und nimm dem Bürger, was des Bürgers ist.“

Vorspann
Lassen Sie mich bitte ausnahmsweise das tun, womit so viele meiner Kolleginnen und Kollegen ihre Laudationes beginnen, wenn einem schon sonst nichts einfällt. Lassen Sie mich vor meine Ausführungen ein Klassik-Zitat stellen, das das lautet - und ich zitiere: „Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist hier, gehen wir Tauben vergiften in Park.“ Was wollte uns Georg Kreisler damit sagen? Nun sicherlich, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint. Hinter mancher Idylle tun sich Abgründe auf. Und bei unserer Künstlerin, bei Holde Klis, stoßen wir schon außerhalb dieses Präsentationstempels auf Abgründliches. Auch wenn es Frühling ist und somit die Zeit der Blüten: halte ich es für außerordentlich gewagt das zu tun, was diese unsere Künstlerin getan hat, denn sie stellt doch tatsächlich Blüten aus und es sind keineswegs „Blumenstücke“, was ein höchst sanktioniertes Sujet immer gewesen ist. Nein! Ihre Blüten - „Blüte“ im Ganovenjargon für „Fälschung“- kommen als Druckvorlagen daher: bereit, über eine diskrete Presse zu laufen.

Nun könnten Sie als aufmerksame Beobachterin und Beobachter anmerken, dass die Blüten der Holde Klis keiner gängigen Banknote ähneln. Aber die Zahlen sind lesbar und schließlich sind Zahlen das, woran sich unsere Welt orientiert! Allerdings muss ich einräumen, dass die Idee als solche… und auch angesichts dessen, was wir so in unseren Geldbörsen mit uns tragen… dass das was wir als Euroscheine haben so prickelnd ja auch wieder nicht ist. Vielleicht hat das ja jemand gemerkt und will deshalb das Papiergeld abschaffen. Macht auch nicht wirklich Sinn, denn Kreditkarten zeichnen sich ja auch nicht durch gestalterische Höhenflüge aus: auch dann nicht, wenn sie goldfarben sind oder gar Platin vorgeben. Ganz anders die Klis-Entwürfe, die eine Lebensfreude transportieren, der wir im Werk dieser Künstlerin noch öfters begegnen werden. Passt aber Lebensfreude in unsere Zeit? In den Produkten der zeitgenössischen Bildenden Künste finde ich sie reichlich selten. Woran liegt es, dass Lebensfreude bei Holde Klis vorkommt?

Vita
Nun vielleicht ergibt es sich aus dem Umstand, dass sie eben nicht gleich nach der Schule Kunst studiert hat, sondern zu einem veritablen Normalberuf ausgebildet wurde und außerdem ein Design-Imperium mitbegründet hat und ihm sehr lange als Geschäftsführerin vorstand.

Indessen hat sie die Lust an der Zeichnung und an der Malerei lebenslang begleitet und zwar so lange, bis sie diese blanke Lust durch eine bemerkenswerte Ausbildung zu unterfüttern begann. Das wollen wir dann auch akribisch auflisten, dass sie nämlich im Atelier von Herbert Güntherberg - einem Orilk Schüler - gelernt hat, ferner bei Hans Köhler in Stuttgart, bei Prof. Wayan Karia auf Bali, Georg Glaser in Belgien, Prof. Roger Dale in Straßburg, , Prof. Taucher auf Capri, Prof. Georg Ritter in Traunkirchen, in Salzburg bei Luis Murschetz und Prof. Siri Salamoun und vor allem die Workshops bei Xenia Hauser haben einen großen Einfluss auf ihre Werksentwicklung gehabt.

Gründlicher geht kaum und so entsteht das Profil einer zielgerichtet agierenden Studierenden, die ein handwerkliches Rüstzeug für notwendig erachtet, wenn sie ihren reichlich fließenden Bildideen auch eine adäquate Form geben will: von nichts kommt nichts und das ist eine Tatsache, die erstaunlich wenige Kunstschaffende ernst nehmen. Natürlich war die Auswahl ihrer Lehrenden eine spezifische. Holde Klis hat sich zum Beispiel meines Wissens nie bei einem ausgewiesenen Medienkünstler eingeschrieben oder bei jemanden, der meinte, dass der Suprematismus oder die informelle Kunst unbedingt wieder zu beleben seien. Stattdessen wählte sie Künstler, die in ihrer Lehre ein zu Lernendes betonten wie z.B. Komposition, Perspektive, Stofflichkeit, Farbmischung etc.pp. Die Übersetzung der dinglichen Welt auf die Malfläche, das ist es was Holde Klis interessierte und wozu sie sich ein unabdingbares maltechnisches Rüstzeug erwerben wollte.

Werk
Nur ein Beispiel, wenn wir heute Arbeiten von ihr betrachten, die stark aus ihrer Wiedergabe des Stofflichen leben, dann hat sie das so sehr intus, dass wir sie - bei allem gebotenen Respekt vor historischer Größe - mit allen ihren Kissen, Faltungen und Lichtreflexen auf Textilien (Abb. 1) als legitime Nachfolgerin einer Kunst a la Paolo Veronese wohl werden zu bezeichnen haben. Sie kann das also: was sie macht.

Abb. 1

Dass sie das also kann, was sie macht, das ist schön, klärt aber keineswegs auf, warum sie Kissen türmt, Sonnenschirme im Großformat ausbreitet, Stoffe auslegt, als sei man auf einem Basar unterwegs, auch mal Frauensleut - Schuhwerk abmalt, banalstmögliche Urlaubs- oder Familienszenerien hinwirft (Abb. 2 - 5) und das mit einer gewissen fröhlichen Lässigkeit,

Abb. 2-55

die nur zwei Schlüsse zulässt, nämlich erstens, dass sie sich selbst in Ausübung ihrer maltechnischen Virtuosität genug ist - Honi soit qui mal y pense! - oder zweitens, dass sie mittels ihrer trivial anmutenden Sujets Absichten verflogt, die über das bloß Sichtbare hinaus gehen.

Über das Sichtbare
Überhaupt: das Sichtbare: was ist das denn? Ist das Sichtbare das, was von unserem Sehen übrig bleibt, wenn wir aus der Überfülle des Tatsächlichen auf ein Bestimmtes fokussieren? Also die Gesamtheit des Sichtbaren kann es nicht sein, denn wir sind zumeist keine Eidetiker, die alles speichern. Wir sind die, die selektieren müssen: Die Fülle: die triebe uns in ein Stendhal - Syndrom. Holde Klis fokussiert: ja was denn sonst? Immerhin könnte sie aber z.B. auf den Gekreuzigten fokussieren und Guido Reni nacheifern. Sie könnte auch eine neue Generation von Kopffüßlern erschaffen wie Horst Antes oder neue Schwünge auf die Malfläche setzen, nachdem es K.O. Götz leider nicht mehr gibt. Sie könnte also ein Markenzeichen entwickeln, könnte zur „Kissen - Klis“ werden und sich einen Namen machen, der auf der Identifizierbarkeit ihres Bildpersonals aufruht. Wie wunderbar naheliegend wäre das doch, aber durch mehrere Bildthemen zeigt sie an, dass sie ein persönliches Markenzeichen überhaupt nicht interessiert. Was sie offenkundig interessiert ist: ihren vielseitigen und für sie offenkundig anregungsreichen Alltag wieder zu geben. Eine „Das Leben ist schön! - Allüre“ vielleicht? Dagegen sprechen Ausreisser aus den Heile - Welt - Szenerien, die es von ihr in Landschaftsform (Abb. 6) oder m it einem nahsichtig gezeigten Bambus (Abb. 7) gibt.

Abb.6 Abb. 7

Zeugen
Es spricht noch mehr dagegen. Versichern wir uns der Unterstützung dreier Kunstheroen, die es ebenfalls mit dem Trivialen aufgenommen und damit Wirkung erzielt haben. Wenn z.B. René Magritte die Abbildung einer schlichten Tabakspfeife mit der Bildinschrift: „Ceci n’est pas une pipe“ „Das ist keine Pfeife“ versehen hat, so galt seine Ambition der Vermittlung der Einsicht, dass Gegenstand und Abbild völlig unterschiedlich sind und dass nebenbei nicht das Abgebildete für Kunst entscheidend sei, sondern die Kunst beim abbilden.

Demnach profitierte Holde Klis von einer solchen Einsichtsförderung in das Besondere der Kunst: nicht also dass sie ein Bildpersonal beschäftigt - wie trivial auch immer - ist entscheidend, sondern wie sie das tut. Weg also vom identifizieren dessen, was zu sehen ist, sondern stattdessen der Blick gerichtet auf das, was im Bild Kunst ist.
Parallel übrigens auch zu Magritte ihre Vorliebe für zitierende Bildtitel. Der Film „Lola rennt“ wird erinnert: bei ihr mit einem zügig laufenden und wenig bedrohtem Hundchen besetzt, Lorenzo de’ Medici, genannt il Magnifico „der Prächtige“ wird durch seinen Stuhl samt Draperie repräsentiert: eine gute Idee, denn schön war er ja nun wirklich nicht. Andersens „Prinzessin auf der Erbse“ muss in der Tat hoch sensibel gewesen sein, wenn man sieht, wie viel Kissen Holde Klis für sie gestapelt hat.
Denken wir nun aber rauch an Andy Warhol. Mit der demonstrativen Vergrößerung der Massenware „Suppendosen“, war er nicht nur einer derer, die ihren Zeitgenossen einen Weg weg von den gequälten Quadraten (so einmal der Titel eines Kunstforum-Bandes) konkret arbeitender Kunstkollegen wies, sondern er gab dem Massenartikel dadurch, dass er ihn vergrößerte und in den Kunststatus erhob, etwas Würde zurück, so wie dies auch für den einzelnen Menschen in der Massengesellschaft gedacht werden darf. Oder nehmen sie Heinz Mack. Nicht nur, dass ich ihn ob seines plastischen Werkes verehre: als Maler ist er mir genauso viel wert. Wenn er Farbflächen eine wunderbare Leichtigkeit verleiht und sie zu andersfarbigen Flächen in einen teilweise überlappenden Bezug setzt, so sind das auch nicht nur Impressionen seiner tiefsüdlichen Beheimatung, sondern vor allem Zauberwerke der Farbschönheit. Nehmen Sie einmal einen größeren Abstand zu den Arbeiten von Holde Klis und sie erleben sie als eine großartige Farbkünstlerin. Dass Abstand nehmen neue Eindrücke schaffen kann, das glauben wir ja seit Kandinskys Erfindung der gegenstandslosen Kunst zu wissen.

Nachtrag
Mittels aller nun aufgeführten Beispiele wird ein Zusammenhang zu den Werken dieser Ausstellung augenfällig. Das Banale, das Alltägliche, das allzu Menschliche droht in einer umfassenden Peripherie sich selbst bestätigender hoher Bedeutungen verloren zu gehen. So werden Großformate wie die, die Holde Klis malt, zum Anlass eines Stückchens Nachdenklichkeit über manches verlorene Paradies und damit auch über unseren eigenen Standort.
Wer das Gesagte nun als Sanktionierungsinitiative begreifen will, der mag das getrost tun. Bei der Betrachtung von Kunst aber über das bloß Gegenständliche hinaus zu gehen, das aber darf Kunst schon fordern. Holde Klis leistet dazu einen bemerkenswerten Beitrag und: malen kann sie auch noch!


Von Farben, Linien und Formen verführt

Herrenberg: Holde Klis zeigt in der Kreissparkasse stoffliche und farbige
Fülle in Acryl auf Leinwand

Groß, bunt und weiblich - Holde Klis inszeniert mit ihrer Malerei in der Schalter-halle der Kreissparkasse in Herrenberg einen machtvollen Auftritt. Bis vor zwei Jahren war die Stuttgarter Künstlerin in Herrenberg ansässig, am Aufbau und als Geschäftsführerin der Agentur ihres Sohnes Roman Klis Design war sie beteiligt.

Man staunt über die Fülle in den Bildern, die sich vor allem als eine textile Fülle erweist, über Farben, die eine frühlingshafte Frische in den Raum bringen. Lockt da ein Augenschmaus, ein Fest der Exotik, der Emotionen? Von Farben, Linien und Formen verführt, geht man auf Entdeckungsreise. Sie führt in ferne Länder - und stets trifft man auf ein hohes Kulturgut: auf Stoffe und ihre Verarbeitung zu nützlichen, repräsentativen und dekorativen Dingen wie Kissen, Decken, Sonnenschirme, Turnschuhe, Handtaschen, Kopftücher, Fahnen und vieles mehr. Alles ist in Bewegung, üppig wallen, fälteln und bauschen sich Stoffe in Hülle und Fülle, vereinzelt trifft man auf Menschen oder Tiere. Textile Stoffe, Ausdruck von Lebensart und Kreativität überall auf der Welt führen in den Bildern von Holde Klis ein besonderes Eigenleben.

Kissenstapel, Stoffrollen, Stoffballen und Sonnenschirme in Reih und Glied, einige Paar Schuhe, drapierte Stoffe - die Malerei ist im Ansatz gegenständlich und weist in die Abstraktion. Des nützlichen oder dekorativen Zweckes enthoben, werden die Dinge in einen neuen Zusammenhang gestellt. Sie tragen die Spuren der einstigen Funktion, zugleich die Spuren des schauenden Umgangs mit Stoffen und Dingen. "Am liebsten gehe ich auf Entdeckungsreise", erzählt Holde Klis über die Entstehung ihrer Bilder. Sie lässt sich von der Umgebung anregen - wie bei den aufgereihten hellgelbblauen Sonnenschirmen: Sie ähneln der Fjord-Landschaft, in der sie eng zusammengebunden am Ufer standen. Die genaue Beobachtung von Falten und Höhlungen, die gekonnte malerische Umsetzung von Licht und Schatten rufen den Eindruck einer Inszenierung hervor. Die Dinge erfahren eine Verwandlung vom schmückenden, wärmenden Utensilin Rollenspieler in alten und neuen Geschichten.

Im Atelier gestaltet Holde Klis ihre eigenen Kompositionen: Eine Reihe von Rollen ganz unterschiedlicher Stoffe verwandelt sich in ein "Rollenspiel". Ein Kissenstapel "Erbse" weckt die Assoziation an das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse oder auch an einen schiefen Turm. Die häusliche Ausstattung gibt manch Textiles, auch von Reisen Mitgebrachtes her, zudem kauft Holde Klis auch Stoffe für ihre Inszenierungen ein: Sie werden sorgfältig drapiert, fotografiert, verändert und schließlich gemalt. Eine Serie vondrapierten Stoffbildern ließ sie wie Kissen auf Rahmen ziehen.

Die Faszination für Textiles erklärt die Künstlerin damit, dass sie damit aufgewachsen ist - die Mutter war Modedesignerin. Viele unterschiedliche Stoffe verwendet sie für ihre Malerei, glänzend, matt, rau, seidig, mit Spitzen oder Ornamenten verziert, einfarbig, geblümt oder gestreift. Mit großer Genauigkeit arbeitet sie an der malerischen Ausarbeitung und offenbart auch hierin ihre Faszination für die Vielfalt gewebter Dinge.

Die Werke von Holde Klis sind attraktiv, beim Betrachten stellt sich aber auch eine Art Verfremdungseffekt ein: Mit Kissen verbindet man Weichheit, Kleider-stoffe schmiegen sich weich um ihren Träger, Stoffe verändern sich, knittern, verschleißen - in der aufgespannten Oberfläche jedoch werden ihre Eigen-schaften und die innewohnende Veränderlichkeit gebannt. So stellt sich ein innerer Abstand im Betrachter ein, der dem Bild etwas Erhabenes gibt. Lebendige Nähe hingegen verspürt man dort, wo sich Mensch und Stoff vereinen: Fünf Mädchen mit geflochtenen Frisuren blicken vom Betrachter weg und wecken Neugier darauf, wer sie sind. Auch eine füllige, sommerlich weiß gekleidete Frau weckt die Fantasie, indem sie über eine Balustrade gelehnt aufs Meer hinaussinnt. Eine Kopftuchträgerin ist die Einzige in der Ausstellung, das Porträt ist ein freundlicher Blick auf das schmückende und schützende Utensil.

Ursprünglich erlernte Holde Klis den Beruf der Wirtschaftskorrespondentin, früh entdeckte sie ihre Begabung als Zeichnerin und fertigte Illustrationen. Warum nicht auch auf große Leinwände malen? Mit diesem Gedanken suchte sie eine intensive Ausbildung auf diesem Gebiet, besuchte Sommerakademien und Ateliers namhafter Künstler in Salzburg, Capri, Belgien, Straßburg und Bali. In zahlreichen Ausstellungen präsentierte sie ihre Werke, nun tut sie es zum ersten Mal in Herrenberg, wo sie bis vor zwei Jahren beheimatet war.

Die Bilder sind bis Freitag, 21. April, in der Herrenberger Niederlassung der
Kreissparkasse zu sehen, Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr.

Gabriele Pfaus-Schiller: Von Farben, Linien und Formen verführt, in: Gäubote/Die Herrenberger Zeitung, Freitag, 31.03.2017


STOFFWECHSELBriefmarke

Holde Klis bekennt sich mutig zur Gegenständlichkeit. Ihr Anliegen ist dabei nicht das bloße Abbilden: aus den meist großformatigen Werken spricht das Suchen,
Forschen und Ergründen.

Faszinieren muss jeden Betrachter, mit welch deutlich spürbarer Hingabe, mit welcher Leidenschaft zur Akribie, Alltägliches unter die Lupe genommen wird und einen Ausdruck erhält, den man gewiss nicht alle Tage anzutreffen vermag. Hieraus spricht der scharfe Blick der Illustratorin, der gepaart ist mit einer Empathie selbst für die kleinsten Dinge.

Nehmen wir beispielsweise diejenigen Arbeiten, in denen Textiles in den Fokus gerückt wird. Die anscheinend harmlos und absichtslos übereinandergestapelten Kissen, entpuppen sich bei genauer Analyse der kompositorischen Anlage als dramaturgisch gekonnte Inszenierung. Sie sind nicht Kulisse, nicht Staffage, sie sind die Hauptperson des Stückes.
In gekonnter Manier atmen die verschiedenen Texturen die Ahnung ihres unterschiedlichen Charakters, den Holde Klis ihnen mit feinem Strich eingehaucht hat. Auf der Grundlage genauer Beobachtung und mit einer klaren Vorstellung von formaler wie inhaltlicher Aussage geht die Künstlerin ans Werk; man könnte sich wahlweise an einen Turmbau zu Babel oder an das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse erinnert sehen.

Die Künstlerin erzählt also Geschichten, die – angestoßen durch den sinnlich wahrnehmbaren Gehalt – von dem empfindsamen Betrachter fortgesponnen werden. So umfängt einen etwa in den galant drapierten Faltenwürfen eines Segeltuches die frische, raue Brise der Fjordluft, die Kühlheit des Lichtes dringt unmittelbar über die Netzhaut ins Innerste. Kontrastreiche Schattierungen werden mit Bedacht gewählt, durch zarte Nuancierungen stellt sich eine harmonische Wirkung ein, die jedoch stets spannungsvoll ist.

Martin Handschuh, Rektor der Freien Kunstschule Stuttgart

 

MENSCHLICHES

Holde Klis zeigt sehenswerte Momentaufnahmen in aufwendiger Manier gemalt, die ihr Auge entdeckt hat. Dazu gehört auch der „Luis-Trenker“-Typ mit einem T-Shirt, auf dem „bockig“ steht . Sie interpretiert und erzählt in ihren Bildern, die berühren. Gerne fährt der Betrachter im Boot mit hinaus auf den See, oder schaut auf den reichhaltigen Fischfang – im Gemälde. Aber auch Bilder wie „Lola rennt“, ein Hund vor buntem Hintergrund, überraschen den Betrachter in ihrer Farbigkeit, Komposition und Bewegung.

„Holde Klis ist eine unabhängige Malerin. Ihre Sujets wählt sie lustbetont. Farbe beansprucht sie als Sympathieträger, verbreitet Frische und sommerliche Gefühle. Sie lebt an der Staffelei am Tag im Traum und bildet Fluchtwege ins Angenehme ab. Stressgeplagte werden ihre Bilder sofort verstehen.

Spürbar ist vor allem der Einfluss von Xenia Hausner, phänomenale Malerin und Tochter des berühmten Phantastischen Realisten. Holde Klis ist viel zu sehr eigenständige Persönlichkeit um nach Mustern zur Übernahme zu suchen. Hausner aber hat mit ihrem Verhältnis zur Freiheit der Farbe Wirkung gezeigt und eben das lebt Klis diszipliniert in ihrer Kunst aus. Parallel ist auch die Liebe zum veritablen Format und damit zum raumprägenden Bild. Bei aller Akkuratesse hat sie sich nie von einem Teil Fabulierlust abhalten lassen. Sie entlädt sich in ihren Sujets und macht die begabte Malerin zu Künstlerin “ sagt Prof. Dr. Helge Bathelt, Vorsitzender des Kunsthöfle in Bad Cannstatt.

Auszug aus einem Artikel für die Cannstatter Zeitung von Iris Frey

 

Holde Klis – Breite Spuren von Lebendigkeit

Anmerkungen zu Ihrer Malerei von Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A.

Holde Klis ist eine unabhängige Malerin. Ihre Sujets wählt sie lustbetont. Farbe beansprucht sie als Sympathieträger, verbreitet Frische und sommerliche Gefühle. Sie lebt an der Staffelei am Tag im Traum und bildet Fluchtwege ins Angenehme ab. Stressgeplagte werden ihre Bilder sofort verstehen.

Sympathisch wie der vorgetragene Wunsch nach Sorglosigkeit ist auch ihr Bildpersonal. Ein Schnauzer mit Hundemarke auf dem Markt scheint so müd’ geworden, dass er nicht mehr bellt (Plagiat sic!). Über roten Strandlatschen und braunen Wadeln bauscht sich ein weißes Kleid über einem beachtlichen Gesäß und die Dazugehörige lehnt sich auf eine Balustrade und blickt übers Meer. Ein Stillleben aus Sneakers (? vormals „Turnschuhe“) und Einkaufstüte variiert ein klassisches Sujet hin zu einer absoluten Erträglichkeit. Eine Stadtvedute wird aus erhabener Fotografieperspektive gegeben und zeigt einen Farbkanon von pastelliger sommerlicher Hitze mit einer Dominanz in Weiß und lichtem Ocker mit einer zarten Tendenz zu terra di Siena.

Das Oeuvre der Künstlerin hat neben einer solchen seelenerzählerischen Ambition ein breites Spektrum im Pflanzlichen bei gerne geübter Nahsicht, spielt mit weiblichen Alltagsobjekten (Handtaschen!!!), findet Gefallen an einem wahrscheinlich sich selbst verweigerten Tortenstück, das zu obsessiver Größe gedeiht, Buchstaben purzeln über luftige Farbfelder, Ornamentales mäandert über einer ägyptisch anmutenden Vogelprozession und weite landschaftliche Ausblicke sind dem Augenblick gewidmet.

All das ist so frisch und selbstverständlich, dass mancher Betrachter darüber die Fähigkeit der Künstlerin zu einer kontrollierten Spontaneität übersehen mag. Holde Klis hat aber zuerst bei einem Schüler Orliks, bei Herbert Güntherberg studiert, war bei Luis Murschetz, Jiri Salamoun und Xenia Hausner in Salzburg, profitierte von ihrer Begegnung mit Wayan Karja auf Bali und Hans Daucher auf Capri.

Spürbar ist vor allem der Einfluss von Xenia Hausner, phänomenale Malerin und Tochter des berühmten Phantastischen Realisten. Holde Klis ist viel zu sehr eigenständige Persönlichkeit um nach Mustern zur Übernahme zu suchen. Hausner aber hat mit ihrem Verhältnis zur Freiheit der Farbe Wirkung gezeigt und eben das lebt Klis diszipliniert in ihrer Kunst aus. Parallel ist auch die Liebe zum veritablen Format und damit zum raumprägenden Bild.

Bei aller Akkuratesse hat sich Holde Klis nie von einem Teil Fabulierlust abhalten lassen. Sie entlädt sich in ihren Sujets und macht die begabte Malerin zur Künstlerin.

Reale und fantastische Welten
Bad Canstatt: Werke von Holde Klis und Bernd Winckler im Amtsgericht bei der Galerie Kunsthöfle bis 18. Juli

Von Iris Frey

So oder so. Zwei Malansichten sind derzeit bei der Galerie Kunsthöfle im Amtsgericht Bad Canstatt zu sehen: Werke von Holde Klis und Bernd Winckler. Geimeinsam ist Ihnen, dass sie gerne mit expressiven Gegensätzen der Farben malen. Doch wie, das ist sehr unterschiedlich.
Holde Klis befasst sich momentan mit dem Malen von Stoffen in Öl auf Leinwand. Es sind spannende Ausschnitte, die sie dabei wählt: Kissen gestapelt, Stoffballen, die lagern, oder Stoffe, die als Ausschnitte von Sonnenschirmen auf die Leinwand gebannt sind. Das Spannende: Klis malt Stoffe in realistischer Manier, fast zum Anfassen schön. Exact der jeweilige Faltenwurf, genial gekonnt gemalt. Aber auch Bilder wie "Lora rennt", ein Hund vor buntem Hintergrund, überraschen den Betrachter in Ihrer Farbigkeit, Komposition und Bewegung

ErbseDen Stapel Kissen nennt sie "...Erbse". Wer immer als Prinzessin darauf Platz nehmen darf, immer gerne doch. "Stoffe inspirieren mich", sagt Klis. Und sie können auch den Betrachter inspirieren. Auch Personen malt Klis, etwa "Die fantastiechen Fünf" - inspiriert durch ihre Enkelkinder. Klis hat schon immer eine Leidenschaft für die Malerei. Im Amtsgericht zeigt sie sehenswerte Momentaufnahmen in aufwendieger Manier gemalt, die ihr Auge entdeckt hat: Dazu gehört auch der "Luis-Trenker"- Typ mit einem T-Shirt, auf dem "bockig" steht und ein Internetverweis auf eine soziale Einrichtung. Sie interpretiert und erzählt in ihren Bildern, die berühren. Gerne fährt der Betrachter mit hinaus auf den See im Boot oder schaut auf den reichhaltigen Fischfang - im Gemälde.

"Sie ist eine typische Schülerin von Xenia Hausner", sagt Professor Helge Bathelt, Vorsitzender des Kunsthöfle. Bei Hausner hat die Künstlerin aus Stuttgart studiert. Sie ist ihr Vorbild. "Klis hat einen zügigen Duktus und ist technisch absolut brillant in den unterschiedlichsten Themen", so der Vereinsvorsitzende. Klis stammt aus einer Künstlerfamilie. Sie hat eine Designagentur aufgebaut, die nun ihr Sohn führt und kann sich jetzt verstärkt der Malerei widmen. Klis hat bei einem Schüler Orliks, bei Herbert Güntherberg, studiert, war bei Luis Murschetz, Jiri Salamoun und Xenia Hausner in Salzburg, profitierte von ihrer Begegnung mit Wayan Karja auf Bali und Hans Daucher auf Capri. [...]

Iris Frey: Reale und fantastische Welten, in: Cannstatter/Untertürkheimer Zeitung, Mittwoch, 22. Juni 2016